Meine Kindheit - (2/4)


Über eine kleine Auswahl von Erfahrungen und Schlüsselerlebnissen, die mein kindliches Verständnis und Erleben der irdischen Welt prägten, möchte ich gerne in der dritten Person schreiben, um das Wesen und Erleben des Kindes spürbarer werden zu lassen.


Gabrieles Erinnerungen reichen weit zurück in ihre frühe Kindheit. Sie war etwa sieben Monate alt, als sie eine wichtige Erdenerkenntnis hatte. Sie stand fröhlich in ihrem Laufställchen, sich mit beiden Händchen an den Stäben festhaltend, um nicht zu fallen und lauschte den Geprächen der fröhlichen Runde am Tisch. Ihr Patenonkel, den sie sehr liebte – sie liebte alle Menschen – war zu Besuch und wandte sich mehrmals mit freundlichen Worten an sie, worauf sie innerlich antwortete und dabei stets lachte und freudig nickte. Ihr Onkel war sehr verwirrt darüber. “Es ist ja grad, als ob sie mich verstehen würde!” Gabriele wippte nun zusätzlich zu ihrer telepathischen Antwort mit ihrem ganzen Körper auf und ab. Aber gleichzeitig erkannte sie etwas Ungeheuerliches: die Menschen konnten sie offensichtlich nicht hören! Sie hingegen “hörte” die Menschen, auch wenn sich ihre Münder nicht bewegten. So fasste sie den Entschluss, sprechen zu lernen.


Gabriele mag vielleicht zwei Jahre alt gewesen sein, als in ihrer Gegenwart das erste Mal aus dem Radio Musik  ertönte, das Singen heller Stimmen!! Das mussten Kinderstimmen sein. Oh das kannte sie, diese zauberhaften Klänge kannte sie, endlich waren sie wieder zu hören! Voller Entzücken lauschte sie und betrachtete die Silbernen Bänder, die durch den Raum webten, Glückseligkeit erfüllte ihr Herz, tiefste Andacht ergriff sie, aber auch ein wenig Heimweh…


Eines Tages wurde ausnahmsweise ein Babysitter bestellt und die Eltern wollten endlich einmal zusammen etwas Schönes erleben und auf der Donau Tretboot fahren. Gabriele war etwa drei Jahre alt und freute sich sehr darüber, die Eltern einmal wohlgelaunt miteinander zu sehen. Einige Zeit später fragte Gabriele ihre Mutter, ob sie sich noch erinnere, wie die Strömung der Donau immer stärker wurde und sie mit dem Tretboot fast nicht mehr zum Bootshaus zurückkamen und sie schimpfte, weil sie sich beim Mitstrampeln das hübsche Kleid zerriss und…


Die Mutter schaute ihre Tochter entgeistert an und wurde sehr unwillig und sagte, das könne sie doch gar nicht wissen. Gabriele erklärte ihr, sie sei doch dabei gewesen und hätte alles erlebt und erzählte alle Einzelheiten des Ausflugs, was die Mutter zum Vater gesagt hätte und und und. Nun war die Mutter sehr ärgerlich und meinte, das müsse sie ihr wohl selbst erzählt haben und natürlich sei sie nicht dabei gewesen.

Gabrieles Herz bekam einen tiefen Riss, sie war sehr verwirrt und erzählte zukünftig noch weniger. Ja, sie war zu Hause gewesen und doch war sie auch im Boot gewesen.

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